Daphnia pulex, Wasserfloh

(von Rainer Müllan)

Zuerst ein Blick auf die systematische Stellung von Daphnia pulex:

Der Körper wird von einer Schale (dem Carapax) eingeschlossen, die nur den Kopf mit den Antennen frei lässt. Die Schalen gehen rückenwärts (dorsal) ineinander über und bilden am Hinterende einen Stachel. Bauchseits (ventral) umschließt die Schale die Beine und lässt nur vorne und hinten eine Öffnung frei über die Nahrung eingestrudelt werden kann (siehe weiter unten). Die am Kopf sitzenden Antennen (A2), dienen der Fortbewegung und werden als Ruderantennen bezeichnet. An den Enden der Antennen befinden Borsten, die sich beim Ruderschlag auffächern und somit den Widerstand im Wasser erhöhen (also die Fortbewegung eigentlich erst ermöglichen bzw. stark verstärken). Wird die Antenne zurückbewegt, klappen die Borsten um und reduzieren den Widerstand somit beträchtlich (ansonsten würde sich das Tier ja wieder zurückbewegen und in weiterer Folge gar nicht vom Fleck kommen). Bewegt werden die Antennen über stark ausgebildete Muskeln. Die bei der Mundöffnung sitzenden Antennen (A1), dienen als Chemorezeptoren (zur Wahrnehmung chemischer Substanzen). Beim Männchen finden sich an dieser Stelle auch Mechanorezeptoren (zur Wahrnehmung taktiler Reize). Siehe Abbildung 1 und 2

Abbildung 1: Kopf von Daphnia pulex (Foto: Eckart Hillenkamp)

Abbildung 2: Innere Organisation

Die erste Maxille (ein Teil der Mundwerkzeuge) ist vorhanden, die zweite ist reduziert. Außerdem ist ein Paar Mandibeln (dienen der Zerkleinerung der Nahrung) vorhanden, deren Rand gezähnt ist.

Die fünf Paar Beine, die ebenfalls von der Schale umhüllt werden, dienen nicht der Fortbewegung (!), sondern dem Nahrungserwerb und der Atmung. (Ein Epipodit in Form einer Kieme ist ausgebildet.) Auch über die gesamte Körperoberfläche kann Sauerstoff aufgenommen werden. An den Beinen befinden sich auch Borstenränder die kleinste tierische und pflanzliche Organismen aus dem Wasser filtern. Das Wasser wird durch die oben erwähnte Öffnung eingestrudelt und durch das Reusensystem (die erwähnten Borsten) an den Beinen gefiltert. Durch eine Bauchrinne wird die Nahrung zum Mund befördert, wo sie durch den Schlund (Oesophagus) aufgenommen wird.

Der Hinterleib (Pleon) ist sehr beweglich. An ihm sitzen zwei Krallen.

Das in einem Perkardialseptum liegende Herz, schlägt ca. viermal pro Sekunde (durch Ringmuskulatur). Es besitzt 2 Öffnungen (Ostien) auf jeder Seite, durch die Blut ins Herz strömt. Der Blutkreislauf ist offen, daher fehlen Blutgefäße völlig. Es wird lediglich durch Membranen in bestimmte Bahnen gezwungen. Blutfarbstoff ist Hämoglobin. Das aus einer Öffnung strömende Blut fließt in den Kopf, wieder in den Rumpf, dann in die Beine und Kiemen. Ein anderer Teil fließt in den Schalenraum, dann kehrt das Blut wieder ins Herz zurück. Kontrahiert das Herz (Systole), schließen sich die Ostien, durch Elastizität dehnt sich das Herz wieder (Diastole).

Das Gehirn besteht aus zwei verschmolzenen Ganglien (Ansammlungen von Nervenzellen), von denen den Schlund umfassende Konektive (Nervenstränge) ausgehen. Das Komplexauge (aus Ommatidien aufgebaut) wird vom Ganglion opticum (das für die Verarbeitung der Sehinformation zuständige Ganglion) versorgt. Das Naupliusauge (auch als Nebenauge bezeichnet), liegt dem Cerebralganglion (Gehirn) direkt auf.

Die Exkretion erfolgt über ein Maxillarnephridium. Der Darm beginnt am Mund, und verläuft bogenförmig. Am Mitteldarm liegen die Mitteldarmdivertikel. Dorsal liegt der Fettkörper, der je nach Entwicklungszustand entsprechend ausgebildet ist (Sind die Geschlechtsorgane gut ausgebildet, ist der Fettkörper klein und umgekehrt).

Die Eierstöcke sind langgestreckte Säcke, an beiden Seiten des Darmes, die über Eileiter (Ovidukte) mit dem Brutraum verbunden sind. Es können zwei verschiedene Eiarten gebildet werden.
Nährstoffarme Jungferneier (Subitaneier) bzw. nährstoffreiche Dauereier (Latenzeier). Subitaneier gelangen diploid in den Brutraum und entwickeln sich dort direkt zu männlichen oder weiblichen Tieren (Parthenogenese). Unter günstigen Bedingungen entstehen parthenogenetisch (wie oben beschrieben) nur gleichartige Weibchen. Erst bei ungünstigen Bedingungen (z.B. Temperatur) werden Männchen (und auch Weibchen) produziert. Die Männchen paaren sich mit diesen Weibchen und es werden von jenen Dauereier gebildet. Aus den Dauereiern, die besamt werden müssen um sich zu entwickeln, entstehen Weibchen, die sich wiederum parthenogenetisch fortpflanzen. Es liegt also ein Generationswechsel in Form einer Heterogonie vor.

Vorkommen von Daphnia pulex: Tümpel und Teiche

(Anmerkung: Alle Bilder dieses Homepage unterliegen dem Copyright. Eine Nutzung für eigene Zwecke darf nur mit Genehmigung des Copyrightinhabers erfolgen. Im Falle der Zeichnung in diesem Artikel ist dies Rainer Müllan, Wien, rainermuellan(at)icqmail.com)