Mikroskopie auf Fuerteventura

Ursprünglich hatte ich meinen Urlaub in einem mikroskopisch interessanten Gebiet gebucht, nämlich Kenia aber gewisse Umstände machten ein Umbuchen in letzter Sekunde notwendig, was angesichts der gesundheitlichen Risiken vielleicht auch gut so war. Das neue Ziel hieß Fuerteventura und war von der Vegetation gesehen natürlich ein starkes Kontrastprogramm zu Kenia.

Eine karge Wüstenlandschaft mit Gebirge, auf der nur extrem trockenheitsunempfindliche Pflanzen zu wachsen vermögen. Der Grundwasserspiegel ist so niedrig, dass selbst Palmen nicht mehr in der Lage sind, sich mit Hilfe ihrer Wurzeln zu versorgen.

Was man an Grün in den Städten und Hotelanlagen findet, ist das Ergebnis künstlicher Bewässerung. Verwendet wird Wasser aus Meerwasserentsalzungsanlagen oder zu diesem Zwecke wieder verwendetes Wasser aus Hotelpools.

Kein Strauch, keine Palme, zu der nicht ein mehr oder weniger dicker schwarzer Wasserschlauch führt. Natur aus zweiter Hand.

Ich packte also Probenfläschchen, Tüten, Objektträger, Deckgläschen, Pipette und mein Lomo-Mikroskop zusammen. Letzteres führte ich ohne Holzkästchen in Plastiktüten verpackt und in Wäsche gepolstert im Handgepäck mit.

Das erste Erlebnis war dann am Flughafen Düsseldorf, als ich nach erfolgter Personenkontrolle mein Handgepäck wieder aufnehmen wollte. Der Beamte hielt mich zurück und fragte, was das denn sei. Obwohl ich der Meinung war, dass das Mikroskop wirklich ausgesprochen gut auf dem Durchleuchtungs-Bildschirm des Security-Checks getroffen war, half ich dem Beamten auf die Sprünge und erläuterte, dass es sich um ein Mikroskop handele. Dem sich dann auf dem Gesicht meines Gegenübers zeigenden Ausdruck - einer Mischung aus Erstaunen und Unglauben - folgte nicht etwa, wie ich zunächst vermutet hätte, eine Batterie an weiteren Fragen. Vielmehr hieß es nur noch: "Auspacken!". Schade nur, dass ich das Gerät zuvor so sorgsam verpackt und durch Einrollen in Wäschestücke gepolstert hatte.

Glücklich auf Fuerteventura angekommen, nahm ich bei der ersten Wanderung an der Küste von Costa Calma eine Probe vom Aufwuchs in einer Felshöhlung, welche bei Flut unter Wasser liegt. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass ich außer Algen auch drei verschiedene Arten von Ciliaten, etliche Flagellaten und Kieselalgen erwischt hatte.

Ursprünglich hatte ich vermutet, dass es auf dem kargen Vulkangestein viele Flechten als Pionierpflanzen geben müsse, aber bei den Wanderungen in der ersten Woche fand ich keine einzige. Auf einem Ausflug mit dem Leihwagen in der zweiten Woche führte uns der Weg dann ins Gebirge. Als wir auf im Gebirge hielten, waren sie dann doch da! Flechten in einer unwahrscheinlichen Anzahl, Arten- und Farbenfülle! Die Felsen waren dermaßen stark bewachsen, dass die Farben der Flechten einen großen Anteil an der Farbe des Geländes ausmachten.

Auf einer anderen Fahrt kamen wir zu dem einzigen Punkt der Insel, an der oberirdisches Süßwasser vorhanden ist. In den höher gelegenen Regionen des Barranco de los Molinos war der Bachlauf komplett ausgetrocknet. Nur ein vergleichsweise üppiges Pflanzenwachstum zeugte von dem Wasserreichtum.


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