Digitale Aufnahmen mit einer Nikon Coolpix 990

Mikrofotos hatte ich bisher immer mit digitalen Methoden aufgenommen. Da ich Computerbesitzer bin und schon sehr lange Zeit auch das Internet nutze, habe ich eine Internet-Kamera, welche eine sehr hohe Auflösung von 800*600 besitzt, an mein Zeiss Jenamed adaptiert. Die Anleitung hierzu und die mit dieser Technik gewonnenen Bilder finden sich auf hier auf dieser Homepage. Trotz den für den geringen Anschaffungspreis von damals 270 DM (heute ab 15 €) recht annehmbaren Ergebnissen versucht man ja immer einen noch höheren Grad der Vollkommenheit zu erreichen. Auf dem Markt erschienen zu diesem Zeitpunkt gerade die ersten 3,3-Megapixel-Kameras mit einer Auflösung von 2048*1536 und der Möglichkeit, digitale Filme im Quick Time-Format (.mov) aufzunehmen. Bei einer derartig hohen Auflösung war der Wunsch verständlich, diese Kamera für die Mikroskopie einzusetzen.

Da ich schon eine 1,3-Megapixel-Kamera der Firma Olympus besaß, sollte auch die neue Kamera wieder eine Olympus sein. Das entsprechende Modell hieß Olympus C-3030. Nach dem Kauf stellte sich aber heraus, dass durch die Art des Objektivs bedingt, es nur möglich war, ca. 80% der schmalen Bildseite zu belichten. Auch diverse Versuche mit anderen Okularen oder Projektiven brachten nur ca. 10% Verbesserung. Immer noch war es unmöglich, das volle Bild auszuleuchten. Es existiert zwar ein professioneller Adapter von Olympus, welcher mit einer Zwischenoptik arbeitet, aber dieser kostet um 2000 DM.

Also wurde die Kamera gegen eine Nikon Coolpix 990 ausgetauscht.

Da diese ein im Durchmesser wesentlich kleineres Objektiv besitzt, dessen Zoomoptik im Gehäuse liegt und nicht beweglich ist wie bei der C-3030, waren die Ergebnisse sofort wie erhofft. Diese Kamera ist wie für den Einsatz in der Mikroskopie geschaffen. Zwar ist es nicht möglich, das Objektiv abzunehmen und den CCD-Chip direkt zu belichten, aber zumindest ist der Objektivdurchmesser mit ca. 28 mm fast identisch mit dem der Okulare. Erste Tests an Dauerpräparaten zeigten vortreffliche Ergebnisse. Diese sind aufgenommen mit einem Reprostativ über dem Okular eines Zeiss-Mikroskops.

Mein Ziel war ein Adapter der die Kamera trägt, am Okularansatz des Mikroskops befestigt wird, die Möglichkeit des Fokussierens bietet und für verschiedene Okulare verwendet werden kann. Der Adapter sollte auch für die Astronomie einsetzbar sein, also zusammen mit 1 1/4" Okularen verwendet werden können.

Auf Basis einiger Vorversuche erstellte ich eine Konstruktionszeichnung. Leider stellte sich heraus, dass insbesondere das Schneiden der Feingewinde für die meisten vom mir angesprochenen Personen, welche der zerspanenden Tätigkeit des Drehens mächtig waren, eine erhebliche Schwierigkeit darstellte, die letztendlich die Durchführung verhinderte. Letztlich fand ich dann aber doch jemanden, der technisch in der Lage war, das Kameragewinde mit einem Durchmesser von 28 mm und einer Steigung von 0,75 herzustellen. So steht der letztendlichen Anfertigung nichts mehr im Wege. Im Downloadbereich findet sich übrigens noch eine Gegenüberstellung von einer Web-Kamera am Mikroskop, als Low-Cost-Lösung und der Nikon Coolpix 990 Lösung als High-End-Variante.

Eine Nikon Coolpix 950 kostete damals übrigens nur noch ca. 1100 DM und unterschied sich von dem Modell 990 durch eine Auflösung von 2,1 Millionen Bildpunkte anstatt 3,34 Millionen bei der 990.

Ein Beispielbild (Mitose) in Originalgröße (Dateigröße: 885 kB) findet sich im Downloadbereich.


Anmerkung

Dieser Artikel ist nicht mehr auf dem neusten Stand. Ich habe mittlerweile eine weitere Version des Adapters, die mit Materialkosten von < 50 € auskommt und bei der kein aufwendiges Drehen des feinen Gewindes mehr erforderlich ist. Der neueste Artikel, mit Bauanleitung, ist in der Zeitschrift Mikrokosmos (ISSN: 0026-3680), Urban & Fischer Verlag, Heft 4, 90. Jahrgang, Juli 2001, veröffentlicht worden.

Lesen Sie hier den veröffentlichten Artikel aus der Zeitschrift Mikrokosmos. übrigens, ein Abonnement der Zeitschrift Mikrokosmos ist als Informationsquelle und Spiegel der aktuellen Trends in der Mikroskopie eh zu empfehlen!!!